Gespräche vor Ort
09. Februar 2010

Schulpolitik für den Münchner Westen

Dr. Ludwig Spaenle bei der CSU München-West

Näher am Menschen - Schulminister Dr. Ludwig Spaenle diskutiert mit Schülern, Lehrern und Eltern in Obermenzing.

Rund 250 Schüler, Studenten, Lehrer, Eltern und Bürger waren der Einladung des CSU-Kreisvorsitzenden im Münchner Westen, Stadtrat Josef Schmid, gefolgt, mit dem Bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus, Dr. Ludwig Spaenle, über die aktuelle Schulpolitik zu diskutieren. Dieser stellte sein chulpolitisches Konzept dar, nahm sich jedoch auch der Ängste, Sorgen und Nöte der Anwesenden an.

„Wir wollen eine sachliche Diskussion führen“, eröffnete Josef Schmid, die Veranstaltung. Bei dem Andrang, der den Gastsaal im Alten Wirt fast zum Platzen brachte, bat Schmid um Verständnis, dass nicht jede Wortmeldung berücksichtigt werden konnte, bot aber zugleich an, sich direkt mit ihm unter fraktionsvorsitzender-csu@muenchen.de in Verbindung zu setzten. Der Münchner CSU-Bezirksvorsitzende und Landtagsabgeordnete aus dem Münchner Westen, Dr. Otmar Bernhard, nannte die Schulpolitik ein „zentrales Feld einer modernen Gesellschaft“. Anhand der Bildung bemesse sich die Innovationskraft eines Volkes. Zugleich sei die Schulpolitik aber auch ein sehr streitiges Politikfeld. Die Debatte lebe aber gerade vom Austausch, wozu die Veranstaltung am vergangenen Montagabend beitrage.
CSU-Sprecherin im Schulausschuss des Stadtrats, Stadträtin Ursula Sabathil, kritisierte die Versäumnisse der Rot-Grünen Rathausmehrheit bei der Schulpolitik. Rot-Grün habe einen ganz erheblichen Investitionsstau verursacht. Sabathil stellte Kernforderungen auf: Die Bausubstanz der Schulen müsse erhalten bzw. verbessert, mehr Anstrengungen für die Bereitstellung von Unterrichtsräumen unternommen, die Schulreinigung vermehrt, die Deckelung der Eingangsklassen bei den weiterführenden Schulen aufgehoben, die Ganztagsbetreuung ausgebaut, eine frühe Förderung vorgenommen und bei Neubaugebieten auch die Schulsituation beachtet werden.
Sabathil, selber Lehrerin, forderte auch, dass Mitarbeiter des Schulreferats an den Sitzungen der Bezirksausschüsse teilnehmen sollten, um Probleme vor Ort zu erfahren sowie eine Auszeichnung für verdiente Lehrkräfte. Generell sei eine Unterstützung der Gesellschaft für die Lehrkräfte erforderlich. Der Staatsminister für Unterricht und Kultus, Dr. Ludwig Spaenle, machte deutlich, dass es sein Ziel sei, ein passgenaues, differenziertes und gegliedertes Bildungswesen auszubauen. Daher werde er auch am dreigliedrigen Schulsystem, dessen Durchlässigkeit jedoch mehr und mehr verbessert werde, festhalten. Die Hauptschule müsse die besonderen Herausforderungen in verdichteten Ballungsräumen bestehen, weswegen er diese zu einer zukunftsorientierten und -zugewandten Schulart ausgestalten und in ihren Stärken weiterentwickeln werde.
Das Nebeneinander der gymnasialen Oberstufen G8 und G9 in diesem Schuljahr bezeichnete Spaenle als schwierig. Beim neuen G8 werde jedoch durch Begleitung und Monitoring versucht, Schwachstellen auszumachen und zu beheben. Dafür würden landesweit Daten aus der gesamten Schulfamilie erhoben, die Rückmeldungen ausgewertet und in den Prozess einbezogen. Für mehr Lehrstunden wurde das Budget um 3,6 Prozent erhöht. Zudem sei das Niveau des auf eine breitere Allgemeinbildung angelegten G8 (hier muss die Abiturprüfung in Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache abgelegt werden) auf das Grundkursniveau des neigungsorientierten G9 missliebige Fächer konnten hier durch das Leistungskurssystem abgewählt erden) eingependelt worden. Beim G8 wurde der Lehrplan auch bereits drei Mal ekürzt und für die Abiturprüfungen ist nur der Kernstoff relevant.


Den Konnex zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg wolle Spaenle versuchen, Schritt für Schritt aufzulösen. Insgesamt forderte Spaenle die Schulfamilie auf, den jetzt beschrittenen Weg der Erneuerung weiterzugehen.
In der anschließenden lebhaften, teils kontroversen Diskussion, die Josef Schmid souverän moderierte, stellte sich der Kultusminister den Fragen, Erlebnisberichten und der Kritik, aber auch dem Lob der Anwesenden.

09. Februar 2010, Thomas Reiner


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